Magnificat (1611) à 12 für drei Chöre a capella
Wurde Anton Bruckner wegen seiner naiven aber unerschütterlichen Frömmigkeit duchaus schon einmal als Kauz belächelt, wäre das im Barockzeitalter wohl niemandem eingefallen: Geistliche und weltliche Sphäre durchdrangen sich wechselseitig und die wenigen, die Zweifel in ihrem Busen nährten, behielten das tunlichst für sich selber. Fragen nach Mikolaj Zielinskis persönlicher Frömmigkeit erübrigen sich aber auch aus einem anderen Grund: die Quellenlage ist so schlecht, dass uns noch nicht einmal seine Lebensdaten überliefert sind. Was wir aber wissen, ist, dass Zielinski sowohl der katholischen Kirchenmusik wie auch der polnischen Musik einen großen Dienst erwiesen hat: 1611 nämlich wurden von ihm bei den geübten Notendruckern zu Venedig zwei Sammlungen mit geistlicher Musik publiziert, die Zielinski dem Erzbischof von Gniezno und polnischen Primas Wojciech Baranowski widmete Sie enthalten Musik für die regelmäßigen und unregelmäßigen Feiertage des Kirchenjahres und begründeten seinen Ruhm als wichtigster polnischer Komponist des beginnenden 17. Jahrhunderts.
Carsten Niemann
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