Drei Lieder op. 18 (1926)
für Gesang, Es-Klarinette und Gitarre
Im Werk eines Komponisten drei Phasen zu unterscheiden - nämlich eine "frühe", eine "mittlere" und eine "späte" -, ist innerhalb der Musikgeschichtsschreibung so sehr zur Gepflogenheit geworden, daß der Verdacht naheliegt, es handle sich hierbei eher um einen musikhistorischen Topos als um eine Einsicht in die Bedingungen kompositorischen Schaffens. Sieht man einmal ab von den symbolischen Implikationen der Zahl Drei, so unterstellt die Unterteilung eines Gesamtwerkes in drei Phasen, daß dieses genau zwei markante Ereignisse aufweist, die es erlauben, vom Anbruch einer neuen Schaffensphase zu sprechen. Worin allerdings der Charakter dieser Ereignisse bestehen soll, dürfte sich umso weniger verallgemeinern lassen, als unser Denken das Schaffen von Künstlern mit der Ausprägung einer besonderen, hoch differenzierten und vor allem einzigartigen Individualität geradezu identifiziert. Wenn überhaupt, dann kann die Unterscheidung mehrerer Phasen im Schaffen eines Komponisten sich immer nur dadurch als sinnvoll erweisen, daß sie die spezifischen Bedingungen benennt, die diesem einzelnen Schaffen eigen sind.
Jan Kopp
Zeichen 10254