Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9 (1913)
Es läßt sich heute kaum noch erahnen, wie tief die Sprachlosigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Künsten tatsächlich empfunden wurde. Das 1902 geäußerte Diktum des Dichters Hugo von Hofmannsthal von den "Worten, die mir im Munde zerfielen wie modrige Pilze", darf wohl sinngemäß auch auf die Sensibleren unter den Komponisten und ihr Verhältnis zum Klangmaterial übertragen werden. Vielleicht läßt sich von hieraus besser ermessen, was Schönberg meinte, als er seinem Schüler Webern in einem Vorwort zu den Sechs Bagatellen "Enthaltsamkeit", "Konzentration" und "fehlende Wehleidigkeit" attestierte: nämlich das Ringen um größtmögliche künstlerische Wahrhaftigkeit.
Jan Kopp
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