Kampf und Sieg op. 44
Kantate zur Vernichtung des Feindes im Juni 1815 bei Belle-Alliance und Waterloo,
gedichtet von Johann Gottfried Wohlbrück
Den verschiedenen Aspekten dessen, was man unter deutsch-romantischer Haltung bei Carl Maria von Weber zu benennen vermag - religiöser Mystizismus und Beschwörung eines mittelalterlichen Idealbilds; gesteigerte Affinität zum eigenen deutschen kulturellen Humus; zu volkstümlichen populären Kunstaussagen und Betonung nationaler Kunstwerte; Verschmelzen patriotischer Haltung mit musikalischen Formen zum politischen Gesinnungswerk - lassen sich anhand der 1815 von Weber geschaffenen Kantate Kampf und Sieg op.44 zwei weitere Wesensmerkmale und Spezifika geistiger Ausrichtung hinzufügen, die ursächlich dazu beitrugen, daß Werke des Komponisten problemlos in einen völkischen Kunstbestand eingegliedert und chauvinistischem Gebrauch zugeführt wurden. Einerseits liegt nicht nur, aber besonders auffällig bei diesem Werk textlich und musikalisch bereits eine tendenzielle Wandlung des Patriotischen zum Nationalistischen vor, ein von den rahmenden Friedenswünschen nur mäßig gemilderter aggressiver Gestus deutscher Wehr- und Sieghaftigkeit, andererseits zeigt sich in den mit der Komposition verknüpften Absichten und Handlungen die Neigung zur Affirmation obrigkeitsstaatlicher Autoritäten.
Christian Katzschmann
Zeichen 9879