Konzert für Viola und Orchester (1929/1961)
Der englische Komponist William Walton staunte nicht
schlecht, als er 1928 von dem Dirigenten Thomas Beecham gebeten wurde, ein Konzert
für den Bratschisten Lionel Tertis zu schreiben. Walton, der es selbst
am Klavier als seinem kompositorischen Arbeitsgerät nie zu konzertreifen
Leistungen gebracht hatte und als junger Mann einen ebenso verzweifelten wie
aussichtslosen Kampf mit der Geige ausgefochten hatte, musste sich fragen, warum
gerade er eine Komposition für ein solistisches Streichinstrument schreiben
sollte - noch dazu für die Bratsche, jenes Instrument der Streichergruppe,
das seit Generationen von Komponisten stiefmütterlich behandelt worden
war. Wie Susana Walton in einem biographischen Portrait ihres Mannes berichtet,
war "das einzige Stück für Bratsche, welches er kannte und bewunderte,
Berlioz' 'Harold en Italie'. Das fand er sehr schön, obwohl man damals
nicht viel von dieser Musik hielt."
Walton nahm die Herausforderung an und schrieb eine Komposition für Bratsche
und Orchester, die den Auftakt für zwei weitere Konzerte für Violine
(1939) bzw. Violoncello (1957) bilden sollte. 1961 überarbeitete er das
Violakonzert.
Mark Schulze Steinen
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