Antonio Vivaldi
(1680-1743 oder 1741)

Le quattro stagioni op.8
Die vier Jahreszeiten


Sein Opus 8, das im Jahr 1725 bei Le Cène in Amsterdam erschien, nannte Antonio Vivaldi "Il cimento dell'armonia e dell'inventione" - "Der Wettstreit von Harmonie und Erfindung". Dieser Titel trifft vor allem die ersten vier der zwölf in der Sammlung enthaltenen Konzerte sehr gut - "Le quattro stagioni" (Die vier Jahreszeiten). Mit "armonia" ist vermutlich das rationale Element in der Musik gemeint, während "inventione" für Inspiration und Phantasie steht. In früheren Publikationen hatte Vivaldi diese beiden Aspekte des Komponierens noch getrennt voneinander herausgestellt: Der Titel "L'estro armonico" (1711) betont das Maßvoll-Regelhafte, "La stravaganza" (um 1714) dagegen das Launenhaft-Flüchtige. In seinen Concerti op. 8 sah der Komponist offenbar beides vereint: Auf der einen Seite ist da die typische Form des Konzertsatzes, die Vivaldi in zahllosen Werken entwickelt und vielfältig abgewandelt hatte - sie setzt sich aus vier oder fünf Tutti-Abschnitten (Ritornellen) und drei oder vier eingeschobenen Solopassagen (Couplets) zusammen. Die Soli sind aus den Ritornellen durch freie Fortspinnung gewonnen, sie modulieren und bieten Raum für Virtuosität. Auf der anderen Seite gewinnen jedoch die Werke ihren besonderen Reiz erst durch ihre außergewöhnlichen Details und bizarren Einfälle, die innerhalb des kompositorischen Systems gar nicht zu erklären sind. Um sie zu rechtfertigen, hat Vivaldi seiner Musik ein außermusikalisches "Programm" unterlegt - nicht nur ordnet er jedem der vier Konzerte eine Jahreszeit zu, sondern er liefert dazu auch eine ausgearbeitete "Handlung", die in Form von vier "sonetti dimostrativi", 14-zeiligen Gedichten, dem Notendruck beigegeben ist.

Jürgen Ostmann
Zeichen 5578

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