Ten Blake Songs (1957/58)
für Tenor und Oboe
Ralph Vaughan Williams hat als Soldat die Schrecken des
Ersten Weltkriegs kennengelernt und sie in seinem künstlerischen Werk verarbeitet.
Für ihn ist Musik (wie für manche seiner Komponistenkollegen, die
ebenfalls den Ersten Weltkrieg aktiv erlebt haben) die Kraftquelle für
seine humanistische Sicht auf die Welt. Aus der Musik Bartóks zog er
mannigfache Inspiration. In der frühen englischen Musik und im Volkslied,
aber auch bei Debussy und Ravel fand er die modalen Mixturen für seine
freien Melodiebildungen und flexiblen Kontrapunkttechniken. Neben Instrumentalkonzerten,
neun Sinfonien, fünf Opern, sakralen Chorwerken, Kammermusik und Filmmusiken
sammelte und bearbeitete er Volkslieder und altenglische Musik. Reichhaltig
ist sein Liedschaffen: Etwa 100 Kompositionen für Solostimme und Begleitung
hat er hinterlassen, darunter auch Lieder für Singstimme mit obligater
Viola und mit Streichquartett-Begleitung, mit Violine oder Oboe.
Die "Ten Blake Songs" komponierte Vaughan Williams in der Weihnachtszeit
1957/1958 für den Film "The Vision of William Blake" - es sollte
der Schwanengesang des 85-Jährigen werden. Ein knappes Jahr später,
am 26. August 1958 starb er in London.
Christine Mitlehner
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