Ralph Vaughan Williams
(1872-1958)

Ten Blake Songs (1957/58)
für Tenor und Oboe


Ralph Vaughan Williams hat als Soldat die Schrecken des Ersten Weltkriegs kennengelernt und sie in seinem künstlerischen Werk verarbeitet. Für ihn ist Musik (wie für manche seiner Komponistenkollegen, die ebenfalls den Ersten Weltkrieg aktiv erlebt haben) die Kraftquelle für seine humanistische Sicht auf die Welt. Aus der Musik Bartóks zog er mannigfache Inspiration. In der frühen englischen Musik und im Volkslied, aber auch bei Debussy und Ravel fand er die modalen Mixturen für seine freien Melodiebildungen und flexiblen Kontrapunkttechniken. Neben Instrumentalkonzerten, neun Sinfonien, fünf Opern, sakralen Chorwerken, Kammermusik und Filmmusiken sammelte und bearbeitete er Volkslieder und altenglische Musik. Reichhaltig ist sein Liedschaffen: Etwa 100 Kompositionen für Solostimme und Begleitung hat er hinterlassen, darunter auch Lieder für Singstimme mit obligater Viola und mit Streichquartett-Begleitung, mit Violine oder Oboe.
Die "Ten Blake Songs" komponierte Vaughan Williams in der Weihnachtszeit 1957/1958 für den Film "The Vision of William Blake" - es sollte der Schwanengesang des 85-Jährigen werden. Ein knappes Jahr später, am 26. August 1958 starb er in London.

Christine Mitlehner
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