Peter Tschaikowsky
(1840-1893)
Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74
Pathétique
Die Zuversicht, mit der Tschaikowsky an der Pathétique
schrieb, war ungewöhnlich.
Schon während der Arbeit an seiner Fünften hatte der Komponist 1888
verlauten lassen: "Ich habe oft Zweifel an mir selbst und frage mich: Ist
nicht die Zeit gekommen aufzuhören, habe ich meine Erfindungskraft nicht
überspannt?" Als die Presse nach der Uraufführung des Werkes
dann "trivialste Effekte" in der Instrumentation bekrittelte, regte
sich im Komponisten sogar der Verdacht, "Flickwerk, Unaufrichtigkeit und
Kunstkniffe" abgeliefert zu haben: "Habe ich mich wirklich, wie sie
sagen, schon ausgeschrieben?"
Man muss Tschaikowskys Selbstzweifel relativieren. Eine notorische Verunsicherung
durch die tonangebende Meinung des Feuilletons und die Angst vor dem Nachlassen
seiner schöpferischen Kraft ziehen sich wie ein roter Faden durch die Tagebücher
und Briefe des Komponisten, der einmal von sich sagte: "Mich reut die Vergangenheit,
und ich hoffe auf die Zukunft, ohne mit der Gegenwart zufrieden zu sein."
Mark Schulze Steinen
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