Streichquartett Nr. 2 op. 56
Wer einmal in die verführerische Klangwelt Karol
Szymanowskis eingetaucht ist, den läßt sie nicht mehr los. Sein umfangreiches
uvre ist bedauerlicherweise im deutschen Konzertleben noch viel zu selten
verankert, ab und zu wird die 3. Sinfonie "Das Lied der Nacht", eventuell
das "Stabat mater" oder von Geigern und ihren Pianisten die "Mythen"
aufgeführt. Seine Lieder sollten zum Standardrepertoire eines jeden Sängers
gehören, weshalb ich hier einmal ausdrücklich auf die Reihe edition
zeitgenössisches lied verweisen möchte, die diesem polnischen
Komponisten eine CD gewidmet hat. "Er schlug eine Brücke zwischen
der Vergangenheit und dem 20. Jahrhundert, er wies den Weg vom Stillstand und
provinzieller Rückständigkeit, die in unserer Musik um die Jahrhundertwende
herrschten, zu Fortschritt und europäischem Niveau, seine Werke gaben den
nachfolgenden Generationen polnischer Komponisten neue Wertmaßstäbe
und Ziele", schreibt Tadeusz Baird in seinem Vorwort zu dem DDR-Reclam
Buch, das 1982 erschien und die erste (!) deutschsprachige Schrift zu diesem
herausragenden Künstler und erfrischenden Denker und Publizisten war.
Szymanowskis musikalische Sprache ist unverwechselbar. In seinem 2. Streichquartett
anverwandelte er sich die impressionistische Klangkoloristik eines Debussy oder
Ravel, aber auch arabische Elemente und die Folklore der Tatragoralen der Podhale-Region,
um sie in die glühende Ekstatik seiner Ausdruckskunst zu steigern, sie
in mystische Klangbilder zu tauchen und um betörende Melodien von zartestem
Lyrismus zu zeichnen.
Christine Mitlehner
Zeichen 3741
Zu diesem Werk ist auch ein Text von Mark
Schulze Steinen lieferbar