Karol Szymanowski
(1882-1937)

Streichquartett Nr. 2 op. 56


Wer einmal in die verführerische Klangwelt Karol Szymanowskis eingetaucht ist, den läßt sie nicht mehr los. Sein umfangreiches Œuvre ist bedauerlicherweise im deutschen Konzertleben noch viel zu selten verankert, ab und zu wird die 3. Sinfonie "Das Lied der Nacht", eventuell das "Stabat mater" oder von Geigern und ihren Pianisten die "Mythen" aufgeführt. Seine Lieder sollten zum Standardrepertoire eines jeden Sängers gehören, weshalb ich hier einmal ausdrücklich auf die Reihe edition zeitgenössisches lied verweisen möchte, die diesem polnischen Komponisten eine CD gewidmet hat. "Er schlug eine Brücke zwischen der Vergangenheit und dem 20. Jahrhundert, er wies den Weg vom Stillstand und provinzieller Rückständigkeit, die in unserer Musik um die Jahrhundertwende herrschten, zu Fortschritt und europäischem Niveau, seine Werke gaben den nachfolgenden Generationen polnischer Komponisten neue Wertmaßstäbe und Ziele", schreibt Tadeusz Baird in seinem Vorwort zu dem DDR-Reclam Buch, das 1982 erschien und die erste (!) deutschsprachige Schrift zu diesem herausragenden Künstler und erfrischenden Denker und Publizisten war.
Szymanowskis musikalische Sprache ist unverwechselbar. In seinem 2. Streichquartett anverwandelte er sich die impressionistische Klangkoloristik eines Debussy oder Ravel, aber auch arabische Elemente und die Folklore der Tatragoralen der Podhale-Region, um sie in die glühende Ekstatik seiner Ausdruckskunst zu steigern, sie in mystische Klangbilder zu tauchen und um betörende Melodien von zartestem Lyrismus zu zeichnen.

Christine Mitlehner
Zeichen 3741

Zu diesem Werk ist auch ein Text von Mark Schulze Steinen lieferbar

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