Sinfonie Nr. 4 op. 60
für Klavier und Orchester
Sinfonia concertante
"Mein Streben zielt auf die Ausbildung eines polnischen
Stils", schrieb Karol Szymanowski einmal, beeilte sich aber zu betonen,
dass die Volksmusik seiner Heimat "lediglich die Bedeutung eines Stimulationsmittels"
haben könne. Als leuchtendes Beispiel galt ihm Chopin, dem es gelungen
war, eine "polnische Musik" zu schreiben, "die sich zugleich
auf dem höchsten Niveau der allgemeinen Kunst befand." Die polnische
Symphonik dagegen zeichnete sich für Szymanowski vor allem durch provinzielles
Epigonentum aus, in dessen Rahmen sich alles Polnische' wie eine künstliche
Zutat ausnahm.
Szymanowskis symphonisches Schaffen der frühen Jahre ist daher von einer
konsequenten Vermeidung alles Polnischen' geprägt. Erst in seiner
1932 geschriebenen, Artur Rubinstein gewidmeten Symphonie Nr. 4 op. 60 Sinfonia
concertante fand der Komponist zu einem Stil, den er selbst als "lechisch"
bezeichnete. Unter diesem Begriff verstand der Komponist seit den 1920er Jahren
das Konzept einer ideellen "ur-polnischen" Kultur, das nichts mit
folkloristischen Zitaten von Volksliedern oder Tanzrhythmen gemein hatte und
das in diesem Werk seinen vollendeten Ausdruck findet. Bei der Uraufführung
der Komposition unter der Leitung von Grzegorz Fitelberg am 9. Oktober 1932
in Poznan saß Szymanowski, der das Werk später auch in anderen Städten
spielte, selbst am Klavier.
Mark Schulze Steinen
Zeichen 3714