Karol Szymanowski
(1882-1937)

Sinfonie Nr. 4 op. 60
für Klavier und Orchester

Sinfonia concertante


"Mein Streben zielt auf die Ausbildung eines polnischen Stils", schrieb Karol Szymanowski einmal, beeilte sich aber zu betonen, dass die Volksmusik seiner Heimat "lediglich die Bedeutung eines Stimulationsmittels" haben könne. Als leuchtendes Beispiel galt ihm Chopin, dem es gelungen war, eine "polnische Musik" zu schreiben, "die sich zugleich auf dem höchsten Niveau der allgemeinen Kunst befand." Die polnische Symphonik dagegen zeichnete sich für Szymanowski vor allem durch provinzielles Epigonentum aus, in dessen Rahmen sich alles ‚Polnische' wie eine künstliche Zutat ausnahm.
Szymanowskis symphonisches Schaffen der frühen Jahre ist daher von einer konsequenten Vermeidung alles ‚Polnischen' geprägt. Erst in seiner 1932 geschriebenen, Artur Rubinstein gewidmeten Symphonie Nr. 4 op. 60 Sinfonia concertante fand der Komponist zu einem Stil, den er selbst als "lechisch" bezeichnete. Unter diesem Begriff verstand der Komponist seit den 1920er Jahren das Konzept einer ideellen "ur-polnischen" Kultur, das nichts mit folkloristischen Zitaten von Volksliedern oder Tanzrhythmen gemein hatte und das in diesem Werk seinen vollendeten Ausdruck findet. Bei der Uraufführung der Komposition unter der Leitung von Grzegorz Fitelberg am 9. Oktober 1932 in Poznan saß Szymanowski, der das Werk später auch in anderen Städten spielte, selbst am Klavier.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 3714

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