Concertino für Klavier und Orchester (1940)
Seit Roman Polanskis Film ihm zu posthumem Ansehen verholfen
hat, ist er weltweit unter dem Namen The Pianist bekannt: Wladyslaw Spzilman.
Den Komponisten Szpilman für die Konzertsäle zu entdecken, bleibt
hingegen eine erst noch zu erfüllende Aufgabe. Gleiches gilt für die
Würdigung der Rolle, die Szpilman im Spannungsfeld zwischen "offiziellem"
Chopin-Interpret des polnischen Radios und Komponist populärer Lieder wie
Ein roter Omnibus, Die Zeit wird kommen oder Warschauer Laternen
im Musikleben Polens vor und nach dem Zweiten Weltkrieg spielte.
Sein "Wunderbares Überleben" (des Warschauer Ghettos)- so der
Titel der erst 1998 (!) auf Bestreben von Wolf Biermann erschienenen deutschen
Erstausgabe - verarbeitete Spzilman unmittelbar nach seiner Befreiung in dem
Buch Smierc miasta (Tod einer Stadt).
Der "polnische Gershwin" - wem sollte diese Assoziation beim Hören
von Szpilmans Concertino für Klavier und Orchester nicht durch den
Kopf schießen? Wer das Werk zum ersten Mal hört, wird überrascht
sein, dass sein Komponist Pole ist; dass es in jenen Monaten entstand, in denen
die Tore des Warschauer Ghettos unwiderruflich geschlossen worden, versetzt
uns ebenso in ungläubiges Staunen wie die Tatsache, dass Szpilman die im
Krieg zerstörte Partitur später aus dem Gedächtnis rekonstruierte.
In das nahezu grenzenlose Vergnügen beim Hören dieses Werks mischt
sich nur ein Wermutstropfen: dass dem einen Satz des Concertino keine
weiteren folgen!
Mark Schulze Steinen
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