Wladyslaw Szpilman
(1911-2000)

Concertino für Klavier und Orchester (1940)


Seit Roman Polanskis Film ihm zu posthumem Ansehen verholfen hat, ist er weltweit unter dem Namen The Pianist bekannt: Wladyslaw Spzilman. Den Komponisten Szpilman für die Konzertsäle zu entdecken, bleibt hingegen eine erst noch zu erfüllende Aufgabe. Gleiches gilt für die Würdigung der Rolle, die Szpilman im Spannungsfeld zwischen "offiziellem" Chopin-Interpret des polnischen Radios und Komponist populärer Lieder wie Ein roter Omnibus, Die Zeit wird kommen oder Warschauer Laternen im Musikleben Polens vor und nach dem Zweiten Weltkrieg spielte.
Sein "Wunderbares Überleben" (des Warschauer Ghettos)- so der Titel der erst 1998 (!) auf Bestreben von Wolf Biermann erschienenen deutschen Erstausgabe - verarbeitete Spzilman unmittelbar nach seiner Befreiung in dem Buch Smierc miasta (Tod einer Stadt).
Der "polnische Gershwin" - wem sollte diese Assoziation beim Hören von Szpilmans Concertino für Klavier und Orchester nicht durch den Kopf schießen? Wer das Werk zum ersten Mal hört, wird überrascht sein, dass sein Komponist Pole ist; dass es in jenen Monaten entstand, in denen die Tore des Warschauer Ghettos unwiderruflich geschlossen worden, versetzt uns ebenso in ungläubiges Staunen wie die Tatsache, dass Szpilman die im Krieg zerstörte Partitur später aus dem Gedächtnis rekonstruierte.
In das nahezu grenzenlose Vergnügen beim Hören dieses Werks mischt sich nur ein Wermutstropfen: dass dem einen Satz des Concertino keine weiteren folgen!

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4785

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