Richard Strauss
(1864-1949)

Don Juan
Tondichtung nach Nikolaus Lenau op. 20


Schon früh bemühte sich Richard Strauss, der Interpretationswut seiner Zeitgenossen mit dem Hinweis auf nüchterne Fakten Einhalt zu gebieten. Spekulationen über biographische Hintergründe seiner 1890 uraufgeführten Tondichtung "Tod und Verklärung" beispielsweise (Todes-ahnung angesichts einer schweren Krankheit? Das Ableben einer ihm nahe stehenden Person?) wies er beispielsweise unmissverständlich zurück: "Tod [und Verklärung] ist ein reines Fantasieprodukt - kein Erlebnis liegt zugrunde, krank wurde ich erst zwei Jahre danach." Und als er ein gutes halbes Jahrhundert später einmal gefragt wurde, ob er in seinem Till Eulenspiegel mit musikalischen Mitteln eine Metaphysik des Humors habe formulieren wollen, soll der Komponist geantwortet haben: "Aber nein - ich wollte nur, dass die Leute im Konzertsaal einmal richtig lachen".
Was Strauss-Exegeten bis heute zur Verzweiflung treibt, ist allerdings weniger seine oft entwaffnend humorvolle Weigerung, interpretatorisch Stellung zum eigenen Werk zu beziehen, als die thematische Spannbreite seines sinfonischen Schaffens. Denn das musikalische Chamäleon Strauss passt offensichtlich in keine der Schubladen, die wir gerne aufziehen, wenn unsere musikalische Anpassungsfähigkeit an ihre Grenzen zu stoßen droht

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4216

Zu diesem Werk sind auch ein Text von Ralf Pleger lieferbar
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