Rudi Stephan
(1887-1915)

Groteske für Violine und Klavier (1911)
Sieben Lieder nach Gedichten von Gerda von Robertus (1913)
Musik für sieben Saiteninstrumente (1911)


Im Zuge der Erkenntnis, dass das Totschweigen, die Verfolgung und Ermordung "entarteter" Musiker durch die Nationalsozialisten ein Loch in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts gerissen hat, das es bis heute zu schliessen gilt, besinnt man sich neuerdings hin und wieder auch auf Komponisten, die Opfer des Ersten Weltkrieges wurden. Zu ihnen gehört der in regelmässigen Abständen immer wieder "neu entdeckte" Rudi Stephan, der 1915 im Alter von erst 28 Jahren an der Ostfront fiel. Sein Œuvre ist aufgrund des frühen Todes Stephans zu klein, um ihm einen wegweisenden Platz in der Musik des 20. Jahrhunderts zuzuweisen, und darüber zu spekulieren, wie sich der Komponist entwickelt hätte, wenn ihm ein längeres Leben vergönnt gewesen wäre, führt in Leere. Dennoch ist die durchaus zeittypische Vermischung eines durch eine klare Formgebung gebändigten Ausdruckswillens und einer neuen "Schlichtheit" in Stephans Musik durchaus eine Bekanntschaft wert.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 5870