Märchenerzählungen op. 132
für Klarinette,Viola und Klavier (1853)
Mit dem berühmten Artikel über Brahms hatte
Schumann am 9. Oktober auch die Komposition der Märchenerzählungen
op. 132 begonnen, die er bereits am 11. Oktober vollendete. Er widmete das Werk
dem jungen Komponisten und Dirigenten Albert Dietrich (1829-1908). Das Widmungsexemplar
trägt die - sieben Tage vor dem Selbstmordversuch niedergeschriebene -
bewegende Aufschrift: An Albert Dietrich / zu langer Erinnerung. / Düsseldorf
am 20. Februar 1853 [richtig: 1854] / (einem guten Tage) .
Bedenkt man die Kompositionstheorien Schumanns, so wird schnell klar, wie beispielsweise
eine Rezension der Märchenerzählungen in der "Neuen Berliner
Musikzeitung" ins Leere zielen mußte, die nach einer Andeutung, welcher
Märchenstoff jedem Stück zum Grunde liegen soll, verlangte. Das Unverständnis
des Kritikers belegt jedoch, wie wirkungsvoll die Propaganda des Liszt-Kreises
bereits um die Jahrhundertmitte gearbeitet hatte, daß auch von seiten
des Publikums ein "Programm" förmlich gefordert wurde. Die Haltung
sollte den analytischen Umgang mit Musik für den Rest des Jahrhunderts
prägen.