Robert Schumann
(1810-1856)

Märchenerzählungen op. 132
für Klarinette,Viola und Klavier (1853)


Mit dem berühmten Artikel über Brahms hatte Schumann am 9. Oktober auch die Komposition der Märchenerzählungen op. 132 begonnen, die er bereits am 11. Oktober vollendete. Er widmete das Werk dem jungen Komponisten und Dirigenten Albert Dietrich (1829-1908). Das Widmungsexemplar trägt die - sieben Tage vor dem Selbstmordversuch niedergeschriebene - bewegende Aufschrift: An Albert Dietrich / zu langer Erinnerung. / Düsseldorf am 20. Februar 1853 [richtig: 1854] / (einem guten Tage) .
Bedenkt man die Kompositionstheorien Schumanns, so wird schnell klar, wie beispielsweise eine Rezension der Märchenerzählungen in der "Neuen Berliner Musikzeitung" ins Leere zielen mußte, die nach einer Andeutung, welcher Märchenstoff jedem Stück zum Grunde liegen soll, verlangte. Das Unverständnis des Kritikers belegt jedoch, wie wirkungsvoll die Propaganda des Liszt-Kreises bereits um die Jahrhundertmitte gearbeitet hatte, daß auch von seiten des Publikums ein "Programm" förmlich gefordert wurde. Die Haltung sollte den analytischen Umgang mit Musik für den Rest des Jahrhunderts prägen.

Ulrich Lenz
Zeichen 10720

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