Robert Schumann
(1810-1856)
Klavierquintett Es-Dur op. 44
Der in fahlen Farben gehaltene zweite Satz läßt zunächst an den Trauermarsch aus Beethovens "Eroica" denken, doch spätestens, wenn im Nachsatz des Themas das Violoncello ein vorhaltiges As als Wechselnote schwelgerisch auskostet, vergißt man über Schumanns Klangsinn jegliche Schwermut. Nach einem unbändigen Scherzo, aus dessen rasenden Klavierpassagen man Frau Claras Etüdenspiel herauszuhören meint, scheint Schumanns Inspirationskraft im Finale geradezu über die Stränge zu schlagen: Auf ein breit angelegtes Sonatenrondo, in dessen Verlauf das Thema des Satzes bereits einmal fugiert wird, lässt Schumann nach einer deutlichen Zäsur eine Doppelfuge folgen, die das Thema des Finales mit jenem des ersten Satzes verbindet. Was Formpuristen wie ein Wurmfortsatz erschienen sein mag, einen erklärten Neutöner wie Franz Liszt hingegen zu dem mit weltmännischer Arroganz vorgetragenen Urteil verleitete, Schumanns Klavierquintett sei nicht nur "Akademisch", sondern auch gar zu "leipzigerisch", erfüllt uns heute nur noch mit Erstaunen über Schumanns überbordenden muskalischen Reichtum.
Mark Schulze Steinen
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