Franz Schubert
(1797-1828)
Fantasie C-Dur D 760
Wanderer-Fantasie
Die Fantasie in C-Dur, von Schubert im November 1822 abgeschlossen, wird gern
als Neubeginn einer experimentier- und schaffensfreudigen Klaviersonatenproduktion
aufgefaßt. Sie prägte nach Beethovens Sonaten quasi una fantasia
jenen Typus, der als "Ahnherr einschlägiger Lösungen zwischen Liszts
h-Moll-Sonate und Schönbergs Kammersinfonie op. 9" (Peter Gülke:
Franz Schubert und seine Zeit, Laaber 1991) angesehen werden kann. Verständnisvolle
zeitgenössische Kritiken unterstrichen das Besondere der Fantasie, die die
zyklische Sonatenform (vier Sätze: Schnell, Langsam, Menuett und rascher
Finalsatz) und ihre spezifischen Strukturen (motivisch-thematische Arbeit in Exposition,
Durchführung, Reprise) mit einem Netzwerk "seltsamster Formen"
in Übereinklang bringt. So tendiert die Wandererfantasie nicht zur "formalen
Normfreiheit", sondern bewegt sich "frey und eigen" innerhalb tradierter
Formgerüste. Ihre "Momentstrukturen" fügen sich variativ und
flexibel zu einem assoziativen erinnernden Beziehungsgeflecht zusammen. Schuberts
Musik "lebt im poetischen Präsens, im Vollzug und von der unmittelbaren
Vergangenheit, der sie nachhorcht". (Arthur Godel: Schuberts letzte drei
Klaviersonaten, Baden-Baden 1985)
Christine Mitlehner
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