Franz Schubert
(1797-1828)

Sinfonie Nr. 8 C-Dur D 944


Tonkünstlerkreise vertraten nach Ludwig van Beethovens Tod allen Ernstes die Meinung, daß es besser sei, »nach Beethoven von sinfonischen Plänen abzusehen«. Wer dieses Gebot mißachtete, mußte sich den Vorwurf gefallen lassen, lediglich ein »mattes Spiegelbild« Beethovens oder gar »Puder und Perücke Haydns und Mozarts ohne die dazugehörigen Köpfe« nachgeschaffen zu haben. (Daß es in Frankreich längst einem Hector Berlioz gelungen war, aus dem Schatten Beethovens herauszutreten, wurde von den deutschen Tonkünstlern zunächst weidlich ignoriert. )
Die Entdeckung der »Großen C-Dur Sinfonie« Franz Schuberts durch Robert Schumann muß in dieser beschwerten Atmosphäre gewirkt haben, als wären plötzlich im stickigen Zimmer die Fenster aufgestoßen worden: Zum einen offenbarte Schuberts Sinfonie mit einem Schlag eine Lösung, die man als »trotz Beethoven« oder in jedem Fall »unabhängig von Beethoven« bezeichnen darf. Zum anderen vermochte die Unbekümmertheit, ja das bei aller Virtuosität »Hemdsärmelige« der symphonischen Sprache Schuberts die Furcht vor der Übermacht Beethovens als Scheinproblem zu entlarven.

Ralf Pleger
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