Sinfonie Nr. 8 C-Dur D 944
Tonkünstlerkreise vertraten nach Ludwig van Beethovens
Tod allen Ernstes die Meinung, daß es besser sei, »nach Beethoven
von sinfonischen Plänen abzusehen«. Wer dieses Gebot mißachtete,
mußte sich den Vorwurf gefallen lassen, lediglich ein »mattes Spiegelbild«
Beethovens oder gar »Puder und Perücke Haydns und Mozarts ohne die
dazugehörigen Köpfe« nachgeschaffen zu haben. (Daß es
in Frankreich längst einem Hector Berlioz gelungen war, aus dem Schatten
Beethovens herauszutreten, wurde von den deutschen Tonkünstlern zunächst
weidlich ignoriert. )
Die Entdeckung der »Großen C-Dur Sinfonie« Franz Schuberts
durch Robert Schumann muß in dieser beschwerten Atmosphäre gewirkt
haben, als wären plötzlich im stickigen Zimmer die Fenster aufgestoßen
worden: Zum einen offenbarte Schuberts Sinfonie mit einem Schlag eine Lösung,
die man als »trotz Beethoven« oder in jedem Fall »unabhängig
von Beethoven« bezeichnen darf. Zum anderen vermochte die Unbekümmertheit,
ja das bei aller Virtuosität »Hemdsärmelige« der symphonischen
Sprache Schuberts die Furcht vor der Übermacht Beethovens als Scheinproblem
zu entlarven.
Ralf Pleger
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