Franz Schubert
(1798-1828)
Streichquintett C-Dur op. posth. 163 D 956
Am radikalsten erweist sich Schuberts Modernität
im letzten Satz: Dessen horizontale Kontur, also das, was man gemeinhin als
"Melodie" bezeichnet, wird in den Randabschnitten ersetzt durch die
um nur wenige Durchgangsnoten bereicherte Führung der harmonischen Oberstimme
(Violine II). Die Erste Violine wird ihrer traditionellen Funktion als Melodiestimme
beraubt: Ihre punktiert auftaktigen Intervallfiguren markieren nur noch die
Eckpunkte einer denkbaren Melodie, die bei der Reprise des A-Teils dann figurativ
umschrieben wird. Der "Gesang" findet in diesem Satz ausschließlich
dort statt, wo sich letzten Endes jede Musik ereignet: in der Imagination des
Zuhörers.
Mark Schulze Steinen
Zeichen 5771