Streichquartett Es-Dur op. 125/1 D 87
In den Jahren zwischen 1810 und 1813, in denen der junge
Franz sich bereits mit frühesten Quartettversuchen beschäftigte, galt
Wien als Hochburg der Quartettmusik. So wurde auch in der Familie Schubert fleißig
Streichquartett gespielt mit den Brüdern Ferdinand und Ignaz, Violine,
Franz, Viola und dem Vater am Cello. Ferdinand schildert die Hausmusik: "Für
seinen Vater und die älteren Brüder war es ein vorzüglicher Genuss,
mit ihm [Franz] Quartetten zu spielen. [...] Fiel wo immer ein Fehler vor, und
war er noch so klein, so sah er den Fehlenden entweder ernsthaft oder zuweilend
auch lächelnd ins Gesicht. Fehlte der Papa, der das Violoncello spielte,
so sagte er anfangs nichts; wiederholte sich der Fehler aber, so sagte er ganz
schüchtern und lächelnd: 'Herr Vater, da muss was gefehlt sein! [...]'".
Das Es-Dur-Streichquartett schrieb Schubert im November 1813 - im Alter von
16 Jahren. Es war vermutlich bereits sein achtes Werk dieser Gattung, wenn man
die verschollenen Quartette nicht mitzählt. Es spiegelt einen wachen musikalischen
Verstand und eine unverstörte Psyche wider. Schubert gelingt es, formal
und ausdrucksmäßig, ohne Selbstüberschätzung, ein bestens
durchgearbeitetes, ausgeglichenes Werk in viersätziger Sonatenform zu vollenden.
Christine Mitlehner
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