Franz Schubert
(1797-1828)

Messe in Es-Dur D 950


Als Schubert seine erste Messe komponiert hatte, erhielt der Siebzehnjährige schlechte Noten in Religion. Der "Schulgehilfe aus der Roßau" soll, als sein Freund, der Dichter Johann Senn, verhaftet wurde, laut Polizeibericht "gegen den amthandelnden Beamten mit Verbalinjurien und Beschimpfungen losgezogen seyn".
Die Ewigkeit war Schuberts Sache nicht. Erlösung erhoffte er sich, als er schon schwer krank war, vom Tod: "jede Nacht, wenn ich schlafen geh, hoff ich nicht mehr zu erwachen, u. jeder Morgen kündet mir nur den gestrigen Gram" schrieb er 1824 an seinen Freund Kupelwieser. Für das, was ihn jenseits dieser Schwelle erwartete, fehlten ihm die Worte - wo immer in seinen Briefen und Aufzeichnungen vom Tod die Rede ist, wird der Gedanke an die Ewigkeit ausgespart. Das irdische Leben sah er als den Ort seiner Musik, eventuellen Tadel an diesem Leben gab er an den überirdischen "Regisseur" zurück: "Ich hörte oft von Schriftstellern sagen: Die Welt gleicht einer Schaubühne, wo jeder Mensch seine Rolle spielt. Beyfall u. Tadel folgt in der andern Welt. [...] Ein schlechter Theater-Ressigeur [Regisseur], welcher seinen Individuen solche Rollen aufgibt, die sie nicht zu spielen im Stande sind" (Tagebucheintragung Schuberts 1816).
Schuberts Messe in Es-Dur (D. 950) ist an vielen Stellen ein diesseitig-kämpferischer Charakter anzumerken.

Tilman Schlömp
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