Messe in Es-Dur D 950
Als Schubert seine erste Messe komponiert hatte, erhielt
der Siebzehnjährige schlechte Noten in Religion. Der "Schulgehilfe
aus der Roßau" soll, als sein Freund, der Dichter Johann Senn, verhaftet
wurde, laut Polizeibericht "gegen den amthandelnden Beamten mit Verbalinjurien
und Beschimpfungen losgezogen seyn".
Die Ewigkeit war Schuberts Sache nicht. Erlösung erhoffte er sich, als
er schon schwer krank war, vom Tod: "jede Nacht, wenn ich schlafen geh,
hoff ich nicht mehr zu erwachen, u. jeder Morgen kündet mir nur den gestrigen
Gram" schrieb er 1824 an seinen Freund Kupelwieser. Für das, was ihn
jenseits dieser Schwelle erwartete, fehlten ihm die Worte - wo immer in seinen
Briefen und Aufzeichnungen vom Tod die Rede ist, wird der Gedanke an die Ewigkeit
ausgespart. Das irdische Leben sah er als den Ort seiner Musik, eventuellen
Tadel an diesem Leben gab er an den überirdischen "Regisseur"
zurück: "Ich hörte oft von Schriftstellern sagen: Die Welt gleicht
einer Schaubühne, wo jeder Mensch seine Rolle spielt. Beyfall u. Tadel
folgt in der andern Welt. [...] Ein schlechter Theater-Ressigeur [Regisseur],
welcher seinen Individuen solche Rollen aufgibt, die sie nicht zu spielen im
Stande sind" (Tagebucheintragung Schuberts 1816).
Schuberts Messe in Es-Dur (D. 950) ist an vielen Stellen ein diesseitig-kämpferischer
Charakter anzumerken.
Tilman Schlömp
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