Dmitri Schostakowitsch
(1906-1975)

Konzert für Violine und Orchester a-moll op.77


Es war der bedeutendste Geiger des 20. Jahrhunderts, David Oistrach, dem Schostakowitsch sein Violinkonzert widmete, und der das Konzert am 29. Oktober 1955 mit den Leningrader Philharmonikern unter der Leitung von Jewgeni Mrawinsky uraufführte. Er nahm es auch bei seiner Konzerttournee durch die USA in sein Repertoire auf. Das Konzert war längst komponiert, nämlich zwischen Juli 1947 und März 1948. Es verschwand "in der Schublade", da am 10. Februar 1948 das ZK der Kommunistischen Partei erneut zu einem Rundumschlag ausholte und im Zuge der Verdammung der Oper "Die große Freundschaft" von Muradeli gleich ein Schock anderer Komponisten wie Prokofjew, Chatschaturjan, Schebalin, Popow und Mjaskowski auf den Index antivolkstümlicher, formalistischer und damit volksfeindlicher Tendenzen setzte.
Nach dem Tod Stalins in Chrustschows Tauwetter-Ära konnten die noch übriggebliebenen Künstler etwas aufatmen, ja es wurde sogar in einem Beschluß vom 28. Mai 1958 die einstige Entscheidung revidiert. Die nunmehr "talentierten" Komponisten waren "zu Unrecht als Vertreter der antivolkstümlich-formalistischen Kunstrichtung genannt worden".
Ein schreckensreiches Leben voller gefährlicher Wechselbäder!
Schostakowitsch holte nach sieben Jahren sein Violinkonzert wieder hervor.

Christine Mitlehner
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