Dmitri Schostakowitsch
(1906-1975)

Konzert für Violoncello und Orchester Es-Dur op. 107 (1959)


Vom 20. Juli bis 1. September 1959 schrieb Schostakowitsch sein 1. Cellokonzert, das am 4. Oktober desselben Jahres im Großen Saal der Leningrader Philharmonie durch Mstislaw Rostropowitsch (ihm ist es auch gewidmet) mit den Leningrader Philharmonikern unter der Leitung von Jewgeni Mrawinski uraufgeführt wurde.
Die Fünfziger Jahre waren für den Komponisten eine Zeit der Rehabilitation, seine gesellschaftliche Stellung stärkte sich durch offizielle Ämter und Auszeichnungen (er erhielt den Internationalen Friedenspreis des Weltfriedensrates und den Titel des Volkskünstlers der UdSSR), so daß er es wagte, Werke, die er "in der Schublade" versteckt gehalten hatte, zu veröffentlichen. Das Cellokonzert lebt von frischen Rhythmen, die entweder über das Metrum hinweggehen, oder an die sich wechselnde Metren flexibel anpassen; Akzentverschiebungen verlebendigen den Fluß der Musik. Der treibenden Bewegung und dem tänzerischen Übermut der Ecksätze steht die Melancholie des 2. Satzes gegenüber. Sarabandenrhythmus und schlichte folkloristische Melodiebildungen, vereinsamte "Leierkasten"-Klänge, verletzliches flageolett des Cellos, begleitet von den Himmelstönen der Celesta, geben diesem Satz jene berührende Eindringlichkeit, wie sie nur Schostakowitsch herstellen kann.


Christine Mitlehner
Zeichen 5891
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