5. Sinfonie d-Moll op.45
Am 28. Januar 1936 erschien in der "Prawda" ein Artikel mit der Überschrift Chaos statt Musik, der über Dmitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" den Stab brach und den Komponisten von einem Tag auf den anderen zur Unperson machte. Als "schöpferische Antwort eines sowjetischen Künstlers auf eine berechtigte Kritik" schrieb der Komponist die 5. Sinfonie, die auf viel Unverständnis stieß - vor allem ihr als "optimistisch" gefeiertes Finale.Weder die östlichen kommunistischen noch die westlichen bürgerlichen musikalischen Sinndeuter beschlich der Verdacht, daß Schostakowitsch durch die Übererfüllung der parteiästhetischen Normen diese gleichzeitig verletzte und sich dadurch auf einer Meta-Ebene individualisierte, um die Narren zu narren.
Was in der Fünften vorgeht, sollte
meiner Meinung nach jedem klar sein. Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen
wie in "Boris Godunow" . So, als schlage man uns mit einem Knüppel
und verlange dazu: "Jubeln sollt ihr, jubeln sollt ihr!" Und der geschlagene
Mensch erhebt sich, kann sich kaum auf den Beinen halten. Geht, marschiert,
murmelt vor sich hin: "Jubeln sollen wir, jubeln sollen wir". Das
ist doch keine Apotheose. Man muß schon ein kompletter Trottel sein, um
das nicht zu hören.
Schostakowitsch in Solomon Volkow: Die Memoiren des Dmitrij Schostakowitsch
Christine Mitlehner
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