Dmitri Schostakowitsch
(1906-1975)
Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110
Das bestimmende Motiv des 8. Streichquartetts leitet Schostakowitsch
von den Anfangsbuchstaben seines aus der kyrillischen in die lateinische Schrift
übertragenen Namens ab: D-Es (S)-C-H. Es besteht in sukzessiver Folge aus
einer kleinen aufwärts geführten Sekunde, fallender kleiner Terz und
fallender kleiner Sekunde. Da das Ohr aber nicht nur sukzessiv hört, sondern
unser ordnendes und deutendes Wahrnehmungsvermögen eine Folge von Tönen
auch als Einheit, als Gestalt zu erfassen vermag, könnte man dieses Motiv
folgendermaßen raum-zeitlich auffassen: die in einem dissonanten Sekundverhältnis
zueinanderstehenden Töne c und d streben jeweils leittönig voneinander
weg in die klingende Konsonanz der großen Terz h-dis (enharmonisch verwechselt)
oder in die notierte Dissonanz h-es der verminderten Quarte.
Christine Mitlehner
Zeichen 9394