Arnold Schönberg
(1874-1951)

Ein Überlebender aus Warschau op. 46
für Sprecher, Männerchor und Orchester


Arnold Schönbergs 1947 im zur dauerhaften Heimstatt gewordenen amerikanischen Exil entstandene und ein Jahr später uraufgeführte Kantate ist ein Werk des Gedenkens, erinnert wird der jüdischen Opfer deutschen Rassenwahns. Schönbergs Komposition kulminiert im Chor der Opfer, der Gesang befreit diese symbolisch aus der Gewalt ihrer Henker, der Sphäre der Täter. Die hierfür notwendige vokale Kraft bezieht der Chor gänzlich aus Glaubensgewißheit, der Chor richtet sich an die entscheidende gnadenspendende, die erlösende göttliche Instanz.
Den Vorgang des Erinnerns löst bei Schönberg ein Einzelner aus, ein Überlebender des Warschauer Ghettos. Er berichtet die Geschehnisse beim Abtransport schon selektierter, internierter Juden ins Vernichtungslager.( ... )
In nur 99 Takten stellt Schönberg dieses Geschehen vor. Mit der Ballung von ästhetischem und religiösem Anspruch gewinnt das textlich - musikalische Material immense Intensität in Gehalt und Ausdruck. Zudem weist das Werk auch eine politische Wertigkeit auf in dem stimmächtigen gewaltfreien Widerstand gegen humane Destruktivität.

Christian Katzschmann
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