Streichquartett Nr. 2 op. 10
"Wenn die Leute von mir sprechen, denken sie sofort
an Schrecken, Atonalität und Komposition mit zwölf Tönen. Allgemein
wird immer vergessen, dass es, bevor ich diese neuen Techniken entwickelt hatte,
zwei oder drei Zeitabschnitte gab, in denen ich das technische Rüstzeug
erwerben musste, welches mich befähigte, deutlich auf meinen eigenen Füßen
zu stehen, auf eine Weise, die den Vergleich mit anderen Komponisten, Vorgängern
oder Zeitgenossen, untersagte." (Schönbergs "Selbstanalyse",
Los Angeles, 3. März 1948)
Man kann (nach Friedhelm Döhl) in Schönbergs Schaffen drei Perioden
feststellen. In der ersten Periode bis etwa 1907/8 vollzieht sich die allmähliche
Auflösung der klassischen Formen und der tonalen Harmonik. In der zweiten
Periode 1908-14 erkennen wir den "frei atonalen" und teilweise auch
"athematischen" Stil, der schließlich in die dritte Periode
der "Dodekaphonie" führt.
Das 2. Streichquartett, komponiert 1907-1908, ist gerade noch der ersten Periode
zuzurechnen.
Christine Mitlehner
Zeichen 2400