Fünf Orchesterstücke op. 16
Als ich meine erste Kammersymphonie,
op. 9, beendet hatte, sagte ich zu meinen Freunden: "Jetzt habe ich meinen
Stil begründet. Ich weiß jetzt, wie ich komponieren muß".
Aber mein nächstes Werk zeigte eine große Abweichung von diesem Stil;
es war ein erster Schritt zu meinem gegenwärtigen Stil. Mein Schicksal
hatte mich in diese Richtung gezwungen. Ich war nicht dazu ausersehen, in der
Art der "Verklärten Nacht" oder der "Gurre-Lieder"
oder selbst von "Pelleas und Melisande" weiterzumachen. Der Oberste
Befehlshaber hatte mich auf einen beschwerlicheren Weg beordert. (Arnold Schönberg,
Oktober 1948)
Auch beschwerlich für die Hörerschaft! Mit Rücksicht
auf das "mehr als conservative Berliner Publikum", dem er "inhaltlich
und klanglich so gewagte Experimente" nicht zumuten könnte, lehnte
Richard Strauss am 2. September 1909 eine Aufführung durch die Berliner
Hofkapelle ab. Inwiefern er damit auch eigenen Interessen diente, bleibe dahingestellt.
Der ursprünglich freundschaftliche Umgang beider Komponisten miteinander
wich bald mißtrauischer Distanzierung.
Der große Propagandist der "Wiener Schule", Theodor W. Adorno,
erkennt in den Orchesterstücken die "Übertragung der konstruktiven
Polyphonie von Kammersymphonie und 2. Quartett auf die harmonisch und formal
aufgelockerte Schreibweise der Klavierstücke und der George-Lieder"
hin zu "äußerster Konzentration innerlich sehr expansiver Musik".
Christine Mitlehner
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