Arnold Schönberg
(1874-1951)

Kammersymphonie Nr. 2 op. 38 (1906; 1939)


Abgesehen von zwei Anläufen, das Fragment der zweiten Kammersinfonie 1911 und 1916 (diesmal im Rahmen einer veränderten Werkkonzeption als Melodrama mit dem Titel "Wendepunkt") zu vollenden, ruhte das im August 1906 begonnene Werk über dreißig Jahre in der Schublade des Komponisten. Erst auf Anregung des Dirigenten Fritz Stiedry, der u.a. 1924 in Wien die Uraufführung von Schönbergs Oper Die glückliche Hand dirigiert hatte und dem Komponisten nach einem vierjährigen Aufenthalt in Rußland auf der Flucht vor den Nationalsozialisten 1937 ins nordamerikanische Exil gefolgt war, nahm Schönberg 1939 die Arbeit an der Kammersinfonie wieder auf: Als Vorsitzender der New Yorker New Friends of Music hatte Stiedry einen Kompositonsauftrag an Schönberg vergeben und den Wunsch geäußert, der Komponist möge die unvollendete Kammersinfonie zu Ende führen. Stiedrys Vorschlag und Schönbergs Einwilligung, auf das 1906 entworfene Material zurückzugreifen, geschah sicherlich auch in Hinsicht auf das Musikverständnis der gemeinsamen neuen Heimat. Denn in den Vereinigten Staaten zeigte man nur bedingt Interesse für die "Technik der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen", die seit den Klavierstücken op. 23 aus den Jahren 1920 bis 1923 als "Zwölftontechnik" zu Schönbergs Markenzeichen geworden war.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 6117

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