Gurre-Lieder
(1900-1903; 1910-1911)
für Soli, Chöre und Orchester
Text von Jens Peter Jacobsen in der Übersetzung von Robert Franz Arnold
Arnold Schönberg arbeitete an dem Konglomerat von
Orchesterliedern, das die Ausmaße eines weltlichen Oratoriums erreicht,
verhältnismäßig lange. Die musikalische "Bleistiftzeichnung",
die Komposition als Klavierlieder, entstand innerhalb eines Jahres, von März
1900 bis März 1901. Doch die Orchestrierung, die eine ganz eigene Komponente
des Werkes darstellt, zog sich - mit Unterbrechungen - bis 1911 hin. Sein Stil
hatte sich in dieser Zeit stark geändert. Die Vollendung des Werkes bedeutete
ihm zehn Jahre nach dessen Beginn nicht mehr gegenwärtigen künstlerischen
Ausdruck, sondern sie überlieferte eine für ihn vergangene Ästhetik,
die aber nichtsdestoweniger eine wichtige Station in seinem Schaffen markierte:
"Dieses Werk ist der Schlüssel zu meiner ganzen Entwicklung. Es zeigt
mich von Seiten, von denen ich mich später nicht mehr zeige oder doch von
einer anderen Basis. Es erklärt, wie alles später so kommen mußte,
und das ist für mein Werk enorm wichtig: daß man den Menschen und
seine Entwicklung von hier aus verfolgen kann."
Unmittelbarer Anlaß für den Beginn der Komposition war die Ausschreibung
eines Kompositionswettbewerbs für einen Liederzyklus mit Klavierbegleitung
des Wiener Tonkünstlervereins 1899.
Tilman Schlömp
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