Arnold Schönberg
(1874-1951)

Friede auf Erden
Für gemischten Chor a cappella op. 13


Eine Illusion für gemischten Chor

Schönbergs Chorkomposition Friede auf Erden entstand 1907 zwischen der 1. Kammersymphonie und dem dritten Streichquartett in fis-moll, einem in seiner die Gesetze der Tonalität auflösenden Tendenz zukunftsweisenden Werk des Komponisten. Bis zu Schönbergs Theorie der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen und den Klavier-kompositionen op. 23 und op. 25, in denen auch praktisch der Bruch mit der Tonalität konsequent vollzogen wurde, sollten noch weitere 16 Jahre vergehen.
Der Weg dorthin ist geprägt von zwei wesentlichen Charakteristika der Schönbergschen Kompositions-technik: Zum einen die aus der spätromantischen Erweiterung der harmonischen Mittel konsequent abgeleitete freie Atonalität, zum anderen die ebenfalls vom 19. Jahrhundert eingeleitete Auflösung der symmetrischen Gliederung musikalischer Phrasen, die Wagner in seiner Schrift Oper und Drama als "musikalische Prosa" bezeichnete, einem Begriff, den Schönberg 1950 in seiner Schrift Style and Idea wieder aufgriff und neu umschrieb.
Daß Schönberg in der Adaption sprachlicher Gestaltungsmittel schön früh neue musika-lische Wege eröffnet sah, zeigt sich zunächst am In-teresse für "vokale Intsrumentalmusik", das bereits mit dem 3. Streichquartett (1907/08), dessen 3. und 4. Satz der Komponist eine Sopranstimme nach Texten von Stefan George zufügte, eingeleitet wird. Die zweite Kammersymphonie (1906-11) erweiterte der Komponist 1916 um ein Melodram; erste Höhepunkte dieser Entwicklung sind das expressionistische Monodram Erwartung nach einem Text von Marie Pappenheim (1909) und Pierrot Lunaire (1912), in dem durch Schönbergs neue Notationsweise die Korrelation von Tondeklamation und musikalischer Struktur am augenscheinlichsten zusammenfällt.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 5493
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