Friede auf Erden
Für gemischten Chor a cappella op. 13
Eine Illusion für gemischten Chor
Schönbergs Chorkomposition Friede auf Erden entstand
1907 zwischen der 1. Kammersymphonie und dem dritten Streichquartett in fis-moll,
einem in seiner die Gesetze der Tonalität auflösenden Tendenz zukunftsweisenden
Werk des Komponisten. Bis zu Schönbergs Theorie der Komposition mit zwölf
nur aufeinander bezogenen Tönen und den Klavier-kompositionen op. 23 und
op. 25, in denen auch praktisch der Bruch mit der Tonalität konsequent
vollzogen wurde, sollten noch weitere 16 Jahre vergehen.
Der Weg dorthin ist geprägt von zwei wesentlichen Charakteristika der Schönbergschen
Kompositions-technik: Zum einen die aus der spätromantischen Erweiterung
der harmonischen Mittel konsequent abgeleitete freie Atonalität, zum anderen
die ebenfalls vom 19. Jahrhundert eingeleitete Auflösung der symmetrischen
Gliederung musikalischer Phrasen, die Wagner in seiner Schrift Oper und Drama
als "musikalische Prosa" bezeichnete, einem Begriff, den Schönberg
1950 in seiner Schrift Style and Idea wieder aufgriff und neu umschrieb.
Daß Schönberg in der Adaption sprachlicher Gestaltungsmittel schön
früh neue musika-lische Wege eröffnet sah, zeigt sich zunächst
am In-teresse für "vokale Intsrumentalmusik", das bereits mit
dem 3. Streichquartett (1907/08), dessen 3. und 4. Satz der Komponist eine Sopranstimme
nach Texten von Stefan George zufügte, eingeleitet wird. Die zweite Kammersymphonie
(1906-11) erweiterte der Komponist 1916 um ein Melodram; erste Höhepunkte
dieser Entwicklung sind das expressionistische Monodram Erwartung nach einem
Text von Marie Pappenheim (1909) und Pierrot Lunaire (1912), in dem durch Schönbergs
neue Notationsweise die Korrelation von Tondeklamation und musikalischer Struktur
am augenscheinlichsten zusammenfällt.