Alfred Schnittke
(1934-1998)

Suite im alten Stil (1972)
für Violine und Klavier


Das von Schnittke selbst "Polystilistik" genannte Verfahren verstand der Komponist nicht als ein sich selbst genügendes Spiel mit musikalischen "objets trouvés", sondern als logische Reaktion auf das moderne Musikleben: "Unsere Zeit unterscheidet sich in der Musikrezeption von dem, was früher war. Damals gab es nur die Musik der letzten hundert Jahre. Für uns wird das Vergangene aktueller als für frühere Generationen. Wir treten in einen Dialog mit der Vergangenheit ein. [...] Der Komponist der Gegenwart kann nicht an der täglich sich darbietenden Vergangenheit vorbeigehen. [...] Wir sind fähig, in unterschiedlichen Zeiten zu leben."
In den fünf, zum Teil nahtlos ineinander übergehenden Sätzen seiner 1972 entstandenen Suite im alten Stil für Violine und Klavier (oder Cembalo) tritt Schnittke in einen Dialog mit der Musik des Barock und der Vorklassik. Und man muss schon genau hinhören, um an gelegentlichen "Regelverstößen" wie der Akkordbegleitung des Fugenthemas im vierten Satz zu erkennen, dass hier kein um 1700 geborener Meister am Werk war.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4062
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