Suite im alten Stil (1972)
für Violine und Klavier
Das von Schnittke selbst "Polystilistik" genannte
Verfahren verstand der Komponist nicht als ein sich selbst genügendes Spiel
mit musikalischen "objets trouvés", sondern als logische Reaktion
auf das moderne Musikleben: "Unsere Zeit unterscheidet sich in der Musikrezeption
von dem, was früher war. Damals gab es nur die Musik der letzten hundert
Jahre. Für uns wird das Vergangene aktueller als für frühere
Generationen. Wir treten in einen Dialog mit der Vergangenheit ein. [...] Der
Komponist der Gegenwart kann nicht an der täglich sich darbietenden Vergangenheit
vorbeigehen. [...] Wir sind fähig, in unterschiedlichen Zeiten zu leben."
In den fünf, zum Teil nahtlos ineinander übergehenden Sätzen
seiner 1972 entstandenen Suite im alten Stil für Violine und Klavier (oder
Cembalo) tritt Schnittke in einen Dialog mit der Musik des Barock und der Vorklassik.
Und man muss schon genau hinhören, um an gelegentlichen "Regelverstößen"
wie der Akkordbegleitung des Fugenthemas im vierten Satz zu erkennen, dass hier
kein um 1700 geborener Meister am Werk war.
Mark Schulze Steinen
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