Samuel Scheidt
(1587-1654)

Eine Würdigung zum 350. Todestag


Samuel Scheidt ist im wahren Sinne des Wortes eine unbekannte Größe. Gewiss: Im Musikunterricht wird noch heute das Merksprüchlein verbreitet, nach dem Scheidt zu den "drei großen S" unter den deutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts gezählt werden müsse, nämlich neben Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein. Genauer betrachtet ist aber auch dies Sprüchlein schon wiederum selbst Musikgeschichte, denn es stammt von Wolfgang Caspar Printz, der es 1690 in seiner "Historischen Beschreibung der ... Sing- und Klingkunst" zum besten gab (wobei er übrigens wörtlich von den drei "berühmten" S sprach). Im praktischen Musikleben sind es vor allem die Organisten, die seit der "Orgelbewegung" der Zwanziger Jahre dem so gerühmten und doch vergleichsweise selten gespielten Altmeister, dessen musikalisches Denken zeitlebens um den Choral kreiste, wieder zu einer gewissen Aktualität verhalfen. Doch in der ganzen Bandbreite seines Schaffens, das neben Orgelwerken auch Musik für instrumentale Ensembles und vor allem ein großes Corpus an Vokalwerken umfasst, ist Scheidt den wenigsten Musikfreunden wirklich präsent. Dabei lohnte es sich, sein Werk und seine zukunftsweisende Publikation "Tabulatura nova" gründlich zu studieren, um für sich Scheidts Sinn für wohl ausgewogene Proportionen, für das ebenso intelligente wie gelassene Spiel der Stimmen, für eine Musik, die auf die äußere Virtuosität des "Stylus phantasticus" von Scheidts norddeutschen Kollegen verzichtet, aber ihre Freiheit in der Variation sucht, zu entdecken.

Carsten Niemann
Zeichen 10685

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