Camille Saint-Saëns
(1835-1921)

Sinfonie Nr. 2 a-Moll op. 55


Camille Saint-Saëns sei "der seltene Ruhm zuteil geworden, schon zu Lebzeiten als Klassiker zu gelten", schrieb Romain Rolland 1901 in seinem literarischen Portrait des Komponisten. Dennoch haftet dem 1835 geborenen Saint-Saëns, der als junger Mann noch die Bekanntschaft von Rossini gemacht hatte, später mit regem Interesse Wagners Neuerungen auf dem Gebiet des Musiktheaters verfolgte und 1921 zu einem Zeitpunkt starb, als Schönberg erste zwölftönige Kompositionen schrieb, etwas eigenartig Unzeitgemäßes, ja sogar Widersprüchliches an. In einer Zeit, in der man in Frankreich wenig auf Instrumentalmusik hielt, komponierte Saint-Saëns zahlreiche symphonische Werke sowie Kammermusik und schuf mit der von ihm begründeten Societé National de Musique eine Plattform, die es jüngeren Komponisten ermöglichen sollte, seinem Beispiel zu folgen. Dass er als universal gebildeter und fortschrittlich denkender Mensch wiederholt harsche Kritik an der Kirche und den Lehren des Evangeliums übte, hinderte ihn nicht daran, ein gutes Vierteljahrhundert als Organist tätig zu sein und in diesem Rahmen sakrale Werke zu komponieren, die - allen hierzulande gern gehegten Vorurteilen zum Trotz - eigenständige Beiträge zur Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts darstellen. Einen denkwürdigen Gegenpol zu seinem darwinistisch geprägten Glauben an den ständigen Fortschritt der Kunst bildete das musikwissenschaftliche Engagement von Saint-Saëns, dessen Ausgaben von Werken Glucks und Rameaus Pionierarbeiten auf dem Gebiet der quellenkritischen Auseinandersetzung mit Alter Musik darstellten. Dass sich Saint-Saëns nebenbei auch für Astronomie und Archäologie interessierte, außerdem zeichnerisches Talent besaß, ethnologische Studien betrieb sowie abendfüllende Theaterstücke und einen in mehreren Auflagen erschienenen Gedichtband Rimes familières schrieb, sei nur am Rande erwähnt.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 7632

Informationen zu musiktext.de