Lieder
Viel zu früh zog sich Rossini aus der Opernwelt zurück, um im nachrevolutionären Paris als reicher Privatier einen abendlichen Salon zu führen, in dem nach festlichem Gaumen-Schmaus auch die Ohren schmausen konnten. Zur Klavierbegleitung von Stanzieri, Diemer, Saint-Saëns und dem exzellent spielenden Rossini selbst erklangen unter anderem Lieder und Duette der berühmten Pariser Komponisten ihrer Zeit. Hier wurden auch die von Rossini in den 30er Jahren zu einer Sammlung zusammengefaßten Canzonetten, Arietten und italienischen Duette wie La Pesca, La regata veneziana (in 'dialetto veneziano') unter dem bezeichnenden Motto Les soirées musicales aufgeführt. Die Sänger dominieren, dennoch ist die virtuose, illustrierende Klavierbegleitung (von nachkommenden Pianisten sicherlich geschmückt mit etlichen Fingersätzen) keineswegs zu unterschätzen. Später faßte der humorvolle Gourmet unterhaltsame Klavierstücke, Chansons und Arietten, geschrieben zwischen 1857 und 1868 als Gelegenheitskompositionen für seine Soiréen, unter dem vielsagenden Titel Les péchés de vieillesse (Die Alterssünden) zusammen. Diese entzückten die musikalischen, intellektuellen, politischen und finanzstarken Salonbesucher, aber auch die Musikpresse. Denn der Pariser Salon war eine halböffentliche Institution, dessen Besuch eine Rezension wert war.
Christine Mitlehner
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