Aribert Reimann
(*1936)

Violinkonzert (1996)



Sein bislang erstes Violinkonzert, das Aribert Reimann im Auftrag des Chicago Symphony Orchestra schrieb, wurde am 15. Mai 1997 in Chicago mit dem Solisten Gidon Kremer unter der Leitung von Daniel Barenboim uraufgeführt.
Reimann hatte nicht die traditionelle Dreisätzigkeit Schnell-Langsam-Schnell im Kopf, sondern konzipierte sein Violinkonzert aus vier Teilen und einem Ritornell, das den Anfang und den Schluß des Werkes bildet und die einzelnen Teile miteinander verbindet.
Auffällig an der Orchesterbesetzung ist Reimanns Neigung zu tiefen Instrumenten: Zehn Bratschen und sechs Kontrabässe (solistisch geführt) machen vergessen, daß Geigen und Celli fehlen, Altflöte und Baßflöte, Heckelphon (eine Oktave tiefer als die Oboe, von Heckel für Richard Strauss einst gebaut, der es häufig einsetzte), Baßklarinette und zwei Kontrafagotte grundieren dunkelfarbig den Holzbläserklang, vier Tamtams, eine größere Bronzeplatte und Röhrenglocken deuten auf musikdramaturgisch besondere Momente. Werden tiefe Instrumente in hohe Lagen oder gar ins flageolett geführt, wie es gleich zu Beginn mit dem Bratschenchor geschieht, entsteht - auch durch die heikle, riskante Interdependenz der Spieler untereinander - ein gefährlich gefährdeter, leicht verletzbarer Klang.

Christine Mitlehner
Zeichen 17471
Informationen