Ma mère l'Oye (1911/12)
Mit welcher Hingabe, aber auch Ausdauer Ravel aus einer pianistischen Miniatur ein in allen Farben schillerndes Orchesterwerk entwickeln konnte, zeigt sich am Beispiel des Zyklus' "Ma mère l'Oye": Schon 1908 hatte der Komponist für Mimie und Jean Godebski, die Kinder eines befreundeten Ehepaares polnischer Herkunft, ein vierhändiges Klavierstück mit dem Titel "Pavane de la Belle au bois dormant" komponiert. Auf die Anregung seines Verlegers Jacques Durand, weitere Stücke in diesem Stil zu schreiben, reagierte Ravel zunächst zögernd. Doch im Frühjahr 1910 überraschte er Mimie und Jean dann mit vier weiteren Kompositionen für Klavier zu vier Händen, die er zusammen mit der "Pavane" unter dem aus einer in Frankreich bis heute populären Märchensammlung aus dem frühen 17. Jahrhundert abgeleiteten Titel "Ma mère l'Oye" ("Meine Mutter, die Gans") zu einem kleinen Zyklus zusammengefasst hatte. Nach der Uraufführung am 20. April 1910 begann Ravel auf Drängen Durands damit, die fünf Stücke von "Ma mère l'Oye" zu orchestrieren.
Mark Schulze Steinen
Zeichen 6142