Konzert D-Dur (1929/30)
für Klavier (linke Hand) und Orchester
Das Jahrzehnt nach dem Ersten Weltkrieg, den Maurice
Ravel bis zu seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Militärdienst als Kraftfahrer
an der Front verbrachte, stand für den Komponisten im Zeichen ausgedehnter
Konzerttourneen durch Europa und die Vereinigten Staaten. 1929 fasste Ravel
daher den Entschluss, ein Klavierkonzert zu schreiben, mit dem er bei weiteren
Konzertreisen als Solist auftreten würde. Erste Pläne zu dem neuen
Werk waren kaum gereift, als er von dem Pianisten Paul Wittgenstein gebeten
wurde, ein Klavierkonzert "für die linke Hand" zu schreiben:
Der zwei Jahre ältere Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein hatte
im Krieg einen Arm verloren und setzte seine Karriere nun mit Hilfe einiger
der prominentesten Komponisten der Zeit fort (so schrieben Richard Strauss,
Paul Hindemith, Erich Wolfgang Korngold, Franz Schmidt, Sergej Prokofjew und
Benjamin Britten kammermusikalische und konzertante Werke für den einarmigen
Virtuosen).
Wenn zunächst auch unwillig ("Ich bin mit einen Klavierkonzert schwanger
und an dem Punkt, wo man sich übergeben muss...") kam Ravel der Bitte
Wittgensteins nach und arbeitete so im Sommer 1929 unversehens an zwei Klavierkonzerten.
Mark Schulze Steinen
Zeichen 5480