Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 63
Dass Musik und Politik seiner Meinung nach nichts miteinander
zu tun hätten, hat Sergej Prokofjew mehrfach zu verstehen gegeben. Dennoch
sind Prokofjews künstlerische Karriere und seine kompositorische Entwicklung
eng verbunden mit den politischen Umwälzungen in seiner Heimat und dem
Versuch einer eigenen gesellschaftlichen und künstlerischen Positionierung.
Während Igor Strawinsky Russland schon 1910 dauerhaft den Rücken zukehrte,
Dmitri Schostakowitsch hingegen seine Heimat nie verliess, hat Prokofjews einen
Lebensweg gewählt, der gewissermassen die Schnittmenge zwischen diesen
beiden, für das 20. Jahrhundert paradigmatischen Biographien russischer
Komponisten bildet.
Das vielversprechende Angebot, eine Hauptrolle beim Aufbau des sowjetischen
Musiklebens zu spielen, hatte Prokofjew 1918 abgelehnt, um sein Glück im
Ausland zu versuchen. Aus der sicheren Entfernung seines zunächst US-amerikanischen,
dann Pariser Exils konnte der Komponist die Entwicklungen in der Sowjetunion
verfolgen, bevor er sich nach ersten vorsichtigen Kontakten 1936 wieder in seiner
Heimat niederliess.
Prokofjews 2. Violinkonzert - nur wenige Monate vor der Rückkehr in die
UdSSR komponiert - markiert Prokofjews Wende zu einer "Neuen Einfachheit",
die ihm die neuerliche Unterstützung der sowjetischen Kulturbehörden
sichern sollte.
Mark Schulze Steinen
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