Sergej Prokofjew
(1891-1953)

Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 25
Symphonie classique


Ziemlich unpolitisch begegnete Prokofjew dem Ausbruch der Februar-Revolution 1917: "Während des Aufstandes selbst war ich auf der Straße und versteckte mich nur von Zeit zu Zeit hinter Mauervorsprüngen, wenn die Schießerei allzu heftig wurde. Die 19. 'Vision fugitive', die ungefähr in jenen Tagen entstand, gibt zum Teil meine Eindrücke wieder, d. h. mehr die Aufregung der Menge als das innere Wesen der Revolution".
Und dann zog er es vor, aufs Land zu gehen, um dort in Ruhe jenes retrospektive Werk zu komponieren, das ihm weltweite Anerkennung verschaffen sollte, die Symphonie classique. Während seines Studiums brachte ihn sein Lehrer Tscherepnin auf den "Geschmack an den Partituren Haydns und Mozarts", weshalb Prokofjew auf die Idee kam, "ein ganzes sinfonisches Werk ohne Zuhilfenahme des Klaviers zu komponieren. Bei einem so entstandenen Werk müßten die Orchesterfarben reiner klingen. So entstand der Plan, eine Sinfonie im Stile Haydns zu schreiben, weil mir seine Technik bei meinem Unterricht in der Klasse Tscherepnins irgendwie besonders klar erschienen war und es unter so vertrauten Umständen leichter sein müsse, sich ohne Klavier in das gefährliche Wasser zu stürzen. Wenn Haydn heute noch lebte, dachte ich, würde er seine Art zu schreiben beibehalten und dabei einiges vom Neuen übernehmen. Solch eine Sinfonie wollte ich schreiben - eine Sinfonie im klassischen Stil. (aus Sergej Prokofjew: Autobiographie in "Dokumente, Briefe, Erinnerungen", Moskau 1961)

Christine Mitlehner
Zeichen 5156
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