Francis Poulenc
(1899-1963)

Concerto en Sol mineur pour orgue, orchestre à cordes et timbales (1938)


Wenn der eröffnende mächtige Orgelakkord von Francis Poulencs Concerto en sol mineur pour orgue, orchestre à cordes et timbales aufbraust, gefolgt von einer Verzierungsfigur, fühlt sich der Hörer wie mit einem Schlag in Bachs Zeiten versetzt. Doch Poulenc wäre nicht Poulenc, würde er diesen Akkord nicht an eine Stelle verrücken, auf die weder der Akkord selbst noch der Hörer gefaßt ist. Es scheint, als öffne die Orgel ein Portal und gäbe das Ohr frei für eine ebenso verwirrende wie faszinierende Klangwelt. Dem magischen Sog dieses Tonuniversums und seiner unvermittelten Ausdruckskontraste kann sich der einmal Berührte nicht mehr entziehen.
Die Prinzessin Edmond de Polignac bat Poulenc um dieses Werk, das der Komponist 1938 vollendete, und das am 21. Juni 1939 in der Salle Gaveau mit Maurice Duruflé an der Orgel und dem Dirigenten Roger Désormières uraufgeführt wurde. Das war zu der Zeit, als Poulenc begann, sich mehr und mehr dem katholischen Glauben hinzugeben und eine Phase einzuleiten, in der er seine Musiksprache religiös vertiefte.

Christine Mitlehner
Zeichen 3388

Zu diesem Werk ist auch ein Text von Tilman Schlömp lieferbar.
Informationen zu musiktext.de