Concerto en Sol mineur pour orgue, orchestre à cordes et timbales (1938)
Wenn der eröffnende mächtige Orgelakkord von
Francis Poulencs Concerto en sol mineur pour orgue, orchestre à cordes
et timbales aufbraust, gefolgt von einer Verzierungsfigur, fühlt sich
der Hörer wie mit einem Schlag in Bachs Zeiten versetzt. Doch Poulenc wäre
nicht Poulenc, würde er diesen Akkord nicht an eine Stelle verrücken,
auf die weder der Akkord selbst noch der Hörer gefaßt ist. Es scheint,
als öffne die Orgel ein Portal und gäbe das Ohr frei für eine
ebenso verwirrende wie faszinierende Klangwelt. Dem magischen Sog dieses Tonuniversums
und seiner unvermittelten Ausdruckskontraste kann sich der einmal Berührte
nicht mehr entziehen.
Die Prinzessin Edmond de Polignac bat Poulenc um dieses Werk, das der Komponist
1938 vollendete, und das am 21. Juni 1939 in der Salle Gaveau mit Maurice Duruflé
an der Orgel und dem Dirigenten Roger Désormières uraufgeführt
wurde. Das war zu der Zeit, als Poulenc begann, sich mehr und mehr dem katholischen
Glauben hinzugeben und eine Phase einzuleiten, in der er seine Musiksprache
religiös vertiefte.
Christine Mitlehner
Zeichen 3388
Zu diesem Werk ist auch ein Text von Tilman
Schlömp lieferbar.