Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken g-Moll (1938)
Francis Poulenc wurde im Kompositionsjahr der Verklärten
Nacht von Arnold Schönberg geboren. Als echtes Kind des 20. Jahrhunderts
erlebte er nicht mehr wirklich die Emanzipation der Moderne mit, sondern vor
allem die Kämpfe der unterschiedlichen Stilrichtungen. Persönliche
Begegnungen mit Arnold Schönberg, Anton von Webern und Alban Berg haben
seine Schreibweise nicht sonderlich beeinflußt. Igor Strawinskys Neoklassizismus,
aber auch die rhythmischen Freiheiten von dessen Ballett Le sacre du printemps
fielen dagegen bei dem Franzosen auf fruchtbaren Boden. Sogar eine direkte Rückwärtswendung
zu Domenico Scarlatti und dem frühen Joseph Haydn läßt sich
bei ihm aufspüren. Seine willkürliche Selbstbedienung aus der Musikgeschichte
und damit verbunden eine gewisse Beliebigkeit des Stils störte ihn nicht.
Er faßte seinen Hang zum Eklektizismus mit dem Ausdruck "Janus Poulenc"
zusammen. "Meine Musik", sagte er "ist ein Selbstporträt."
Doch wirkt sich diese Polystilistik nicht unbedingt negativ aus.
Tilman Schlömp
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Zu diesem Werk ist auch ein Text von Christine
Mitlehner lieferbar.