Luigi Nono
(1924-1990)

Fragmente - Stille, an Diotima (1979-1980)
per quartetto d'archi


Die Momente der Stille sind frappierend in Luigi Nonos Streichquartett "Fragmente - Stille, an Diotima". Eine Stille, die integraler Bestandteil der Komposition ist. Das "Nachhören" der Klanginseln läßt den Hörer Momente der Spannung erleben, ohne daß er die dahinter stehende serielle Konstruktion erkennen müsste.
Warum schrieb Nono 1979/80 ein so "esoterisches" Werk, nachdem er ziemlich genau 30 Jahre seines Lebens der politisch engagierten Musik gewidmet hatte? Nono, der seit 1952 Mitglied des Partito Comunista Italiano, der italienischen KP, war, hatte in Kompositionen wie "Il canto sospeso" (1956), "Intolleranza" 1960, "La fabbrica illuminata" (1964) oder "Ein Gespenst geht um in der Welt" (1971) den noch nicht lange vergangenen Faschismus und den latenten Faschismus der 60er und 70er Jahre angeprangert, um daraus musikalische Visionen zu gewinnen. War er zu diesem Zeitpunkt in der "besseren Welt" dieser Visionen angekommen? Seine weiteren Kompositionen beweisen, daß das zu einfach wäre...

Tilman Schlömp
Zeichen 5567

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