Carl Nielsen
(1865 -1931)

Kleine Suite a-Moll op. 1
für Streicher


"Nähme die Musik Gestalt an und wollte sie ihr Wesen erklären, so könnte sie dies ungefähr wie folgt tun: Ich bin überall und nirgends; ich springe über die Wellen und die Gipfel des Waldes; ich sitze im Halse des Wilden und auf dem Fuße des Negers und schlafe im Stein und im klingenden Erz. Niemand kann mich greifen, alle können mich fassen, ich lebe zehnmal stärker als alles Lebende und sterbe tausendmal tiefer. Ich liebe die Fläche der großen Stille, und es ist meine größte Lust, sie zu brechen. Ich kenne weder Sorge noch Jubel, noch Freude noch Gram, doch ich kann zur gleichen Zeit unendlich jubeln, weinen, lachen und klagen." Solch brillante Worte findet in seinem Buch "Lebendige Musik" der dänische Komponist Carl Nielsen, einer der führenden Musikerpersönlichkeiten seines Landes. Aus extrem armen Verhältnissen stammend - sein Vater war Fassadenmaler, der durch das Zubrot als Musiker seine Frau und zehn Kinder (zwei waren an Tuberkulose gestorben) mehr schlecht als recht ernähren konnte - fand Carl Nielsen sein Kapital ausschließlich in seinem Talent, seinem beweglichen Geist und in seiner Zielstrebigkeit. Seine Begabung stellte er bereits in seinem op. 1 unter Beweis, einer äußerst gelungenen Kleinen Suite für Streicher von hoher Klangschönheit und starkem Ausdrucksgehalt, die am 8. September 1888 vom Orchester des Tivoli uraufgeführt wurde.

Christine Mitlehner
Zeichen 2748

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