Ein musikalischer Spaß F-Dur KV 522
Musik darf Spaß machen! Und es darf gelacht werden.
Wer wann wo lacht, wird zeigen, was wer komisch findet. Dass dabei keiner auf
der Strecke bleibt, dafür sorgt Wolfgang Amadeus Mozart in seinem "Musikalischen
Spaß": Niemand wird überhören können, dass die Hörner
im Menuett mit ihrer parallelen Stimmführung hoffnungslos falsch liegen
(die sie auch bei der Wiederholung nicht korrigieren), dass im Adagio die Violine
sich am Ende ihrer Kadenz versteigt, und dass die Schlussakkorde des Finales
verunglücken. Doch die Intention dieser wunderbaren Satire ist nicht, schlechtes
Musizieren auf's Korn zu nehmen, sondern schlechtes Komponieren. In diesem Werk
"wird die Wissenschaft fröhlich" (Wolfgang Hildesheimer), wenn
Mozart die Hilflosigkeit von Themenenerfindung und -entwicklungen durch ratlose
Wiederholungen und Sequenzierungen aufzeigt, die mit gesuchten, aber nicht gefundenen
harmonischen Wendungen orientierungslos herumirren, oder wenn er mit leiernden
Tonfolgen, albernen Fortspinnungen und seltsam "graziösen" Motiven
Zeit schindet.
Im letzten Satz ballt sich die Komik in den vielen ungereimten Einzelteilen,
die zusammengestellt ein Ganzes ergeben, ohne Gestalt anzunnehmen. Versuchen
wir es mit dieser Zuspitzung: Es wird Musik behauptet bei ausgiebigem Töne-Gefasel.
Mozart hat den musikalischen Spaß am 14. Juni 1787 in sein persönliches Verzeichnis eingetragen. Aus welchem Anlass er es komponiert hat, ist gänzlich unbekannt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die Niederschrift in den zwei Wochen nach dem Tod seines Vaters am 28. Mai 1787 erfolgte. Man darf darüber sinnieren, warum es ausgerechnet ein solches Stück war, das der Sohn nach des Vaters Tod komponierte.
Christine Mitlehner
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