Wolfgang Amadeus Mozart
(1756-1791)
Messe c-Moll KV 427 (417a)
Zahlreiche päpstliche Konzile meditierten
darüber, wieviel musikalische Sinnlichkeit in der Kirche zulässig
sei. Das eigentliche Problem lag in der lange ungeklärten Frage, welche
Aufgabe die Musik im liturgischen Kontext zu erfüllen habe: Sollte die
Musik den Gegenstand der liturgischen Handlung untermalen oder vielmehr die
Feierlichkeit des Ereignisses unterstreichen. Man kann sich leicht vorstellen,
wie trist inhaltsbezogene Vertonungen der immer gleichen Texte auf Dauer
ausfallen müssen: "Erbarme dich unser" (Kyrie und Gloria), "Ich
glaube an den einen Gott" (Credo), "Opfer und Gebet bringen wir dir,
Herr, lobsingend dar" (Offertorium), "Lamm Gottes, das du trägst
die Sünden der Welt" (Agnus Dei)... Von prunkvoller Musik hingegen
befürchtete man offensichtlich, sie würde die Messe in ein Fest für
die Ohren verwandeln (ein Fest für die Augen ist sie schon immer gewesen...)
und die diesseitsfeindlichen Glaubensinhalte in den Hintergrund drängen.
Das Problem rief nach Lösungen und ließ jeden Musiker nach Kompromissen
suchen. Wer sich den in anderen Bereichen längst nicht mehr gebräuchlichen
kontrapunktischen Stil anverwandelte, lief Gefahr, als "akademisch"
oder "altmodisch" verrufen zu werden. Wer daneben auch auf die neuen
Ausdrucksmittel zurückgriff, die um 1750 ausgerechnet die Opera buffa hervorgebracht
hatte, der wurde schnell verdächtigt, die Kirche in ein Theater zu verwandeln.
So ist durchaus zu Recht behauptet worden, daß jene Sätze der c-Moll-Messe,
die, wie etwa die Sopranarie "Laudamus te", deutlich vom Stil der
Zeit geprägt sind, problemlos als Opern- oder Konzertarie hätten fungieren
können.