Olivier Messiaen
(1908-1992)
Oiseaux exotiques (1956)
"Angesichts so vieler entgegengesetzter
Schulen, überlebter Stile und sich widersprechender Schreibweisen gibt
es keine humane Musik, die dem Verzweifelten Vertrauen einflössen könnte.
Da greifen die Stimmen der unendlichen Natur ein." Diese
vernahm Messiaen freilich nicht nur im Gesang der Vögel; auch sein rhythmisches
Denken berief sich auf "all die übereinandergeschichteten Zeiten,
die uns umgeben: die ungeheuer lange Zeit der Sterne, die sehr lange Zeit der
Berge, die mittlere des Menschen, die kurze Zeit der Insekten, die ganz kurze
Zeit der Atome."
In den Kompositionen der fünfziger Jahre dominiert die Welt der Vogelstimmen.
Obwohl Messiaen, der seit seiner Jugend die Gesänge der Vögel notierte,
bereits in früheren Werken Vogelrufe verarbeitet hat, misst er nun dem
Gesang der Vögel einen ästhetischen Eigenwert zu und macht sie zur
Grundlage ganzer Kompositionen. Den Anfang bildet die 1951 geschriebene Komposition
Le Merle noir für Flöte und Klavier, die nach zwei frühen
Werken für Violine und Klavier aus den dreissiger Jahren und dem Quatuor
pour la fin du temps zugleich die letzte kammermusikalische Komposition
Messiaens ist. Ihr folgen Réveil des oiseaux (1953) für Klavier
und Orchester und Oiseaux exotiques (1956).
Mark Schulze Steinen
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