Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 1 d-Moll op. 49
"Mendelssohn ist der Mozart des neunzehnten Jahrhunderts,
der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut
und zuerst versöhnt", schrieb Robert Schumann, nachdem er das erste
Klaviertrio in d-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy kennengelernt und zum
"Meistertrio der Gegenwart" ernannt hatte. An Widersprüchen war
die Zeit reich: Der 1827 verstorbene Beethoven hatte mit seinem Spätwerk
die Tür zu einer neuen musikalischen Epoche aufgestoßen, einer vergangenen
war man sich durch die wesentlich von Mendelssohn vorangetriebene Wiederentdeckung
der Musik Bachs eben erst bewusst geworden. Das rasant anwachsende bürgerliche
Musikleben schuf neue Rahmenbedingungen für die musikalische Produktion
und führte gleichzeitig zu der fragwürdigen, aber bis heute gebräuchlichen
Unterscheidung in E- und U-Musik. Dass schließlich besonders in Deutschland
eine von verschiedenen Seiten geforderte Anbindung der Musik an die Literatur
ihren Niederschlag ausgerechnet in der Instrumentalmusik fand, ist ein Widerspruch,
mit dem sich sowohl Mendelssohn als auch Schumann nachhaltig auseinandersetzten.
Und das "Meistertrio", das laut Schumann die Gegensätzee der
Zeit vereint haben soll? Mendelssohn komponierte es im Juli 1839, unterzog es
zwei Monate später aber einer gründlichen Überarbeitung.
Mark Schulze Steinen
Zeichen 3771
Zu diesem Werk ist auch ein Text von Christine Mitlehner lieferbar