Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809-1847)
Streichquartett D-Dur op. 44, 1
Der 1827 verstorbene Beethoven hatte mit seinem Streichquartett-Spätwerk
die Tür zu einer neuen musikalischen Epoche aufgestoßen - Aufforderung
und Herausforderung für nachfolgende Generationen. Felix Mendelssohn Bartholdy
stellte sich dem klassischen Erbe mit sechs vollendeten Werken, die sein kurzes
Leben umspannten: sein 1. Streichquartett schrieb er 1829, das letzte in f-Moll
op. 80 in seinem Todesjahr 1847.
Die Streichquartette op. 44 Nr. 1-3 entstanden in den Jahren 1837 und 1838, also
etwa zehn Jahre nach den beiden Quartetten op. 12 und op. 13. Die Reihenfolge
der Quartette op. 44 entsprechen jedoch nicht der Chronologie ihrer Entstehung.
Als erstes schrieb Mendelssohn das später als Nr. 2 veröffentlichte
Quartett in e-Moll, das er noch während seiner Hochzeitsreise im Frühjahr
1837 begann und im Juni vorläufig beendete. Darauf folgte im Winter 1837/38
das später als Nr. 3 veröffentlichte Es-Dur-Quartett und erst danach
das D-Dur-Quartett. Die Komposition dieses Quartetts schloss er in Berlin am 24.
Juli 1838 ab. Warum Mendelssohn es den beiden anderen als Nr. 1 voranstellte,
ist nicht bekannt. Die folgende Stelle aus seinem Brief vom 30. Juli an den Leipziger
Gewandhaus-Konzertmeister Ferdinand David gibt aber immerhin einigen Aufschluss:
"Ich habe mein drittes Quartett in d dur fertig, und habe es sehr lieb; wenn
es Dir nur auch so gut gefällt. Doch glaube ich fast, denn es ist feuriger
und auch für die Spieler dankbarer als die andern, wie mir scheint."
Nach vielem Feilen und weitreichenden Überarbeitungen erschienen die drei
Quartette schließlich im Juni 1839. Eine erste öffentliche Aufführung
des D-Dur-Quartetts fand bereits am 16. Februar 1839 statt und das Werk erhielt
laut einem Bericht der Allgemeinen Musikalischen Zeitung "den lautesten Beifall".
Mit Recht, wie der heutige Hörer nur bestätigen kann...
Christine Mitlehner
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