Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809-1847)

Streichquartett a-moll op. 13


Vorgreifend dem später entstandenen Quartett op. 12 schafft Mendelssohn einen die Komposition überspannenden formalen Rahmen, diesmal, indem er gegen Ende des letzten Satzes auf die langsame Einleitung des Anfangs zurückgreift und das Quartett damit so ausklingen lässt wie es begann. Doch die thematischen Verbindungen gehen im a-Moll-Quartett noch weiter: Im Presto des Finales wird vor der Reprise der Adagio-Einleitung das Fugenthema des zweiten Satzes weitreichenden Modifikationen unterzogen: In augmentierter Form klingt es zunächst plötzlich "Bachischer" als in der Fuge des zweiten Satzes selbst, würde nicht das Cello mit keiner kurzen Geste dazwischenfahren, als ob es dem Zuhörer ins Bewusstsein rufen wollte, dass sich Mendelssohn hier in einer Stilkopie übt. Später klingt es über gehalteten Tremolo-Akkorden wie die tonmalerische Einleitung zu einer Opernszene, bevor es kurz darauf in der Violine I als Kadenz zur Reprise des Adagios aus dem ersten Satz überleitet. Die Fuge, die Mendelssohn bereits im zweiten Satz in ein homophones schwärmerisches Vor- und Nachspiel gebettet hatte, wird dadurch als "Fremdkörper" dekonstruiert und schrittweise dem romantischen Charakter von Mendelssohns Musik anheimgeführt.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4577
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