Elias
Oratorium nach Worten des Alten Testaments op. 70
Ist nicht des Herrn Wort... - Die (Kirchen)musik zwischen König und Revolution
Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer und wie ein
Hammer, der Felsen zerschlägt?
Diese Worte des Elias stellt der Komponist ins Zentrum seines Oratoriums. Sie
sind das ganze Glaubensbekenntnis des Propheten und bilden zum Zeitpunkt seines
Sieges die Grenze seiner Vorstellungen. Aber diese Grenze wird erweitert: Elias
erlebt Zweifel und Verzagtheit, spürt also selbst den Hammer des Wortes,
bevor er im "feurigen Wagen" in den Himmel fährt. Einige Züge
seiner Figur hatte Felix Mendelssohn wohl auch bei sich selbst gesehen, nicht
nur den Triumph, auch Zweifel und Verzagtheit. Mit gemischten Gefühlen
dürfte der Komponist deshalb die Widmung des Prinzen von Sachsen-Coburg-Gotha
aufgenommen haben, die dieser ihm in das Elias-Textbuch schrieb:
"Dem edlen Künstler, der [...] es vermocht hat, den Dienst der wahren
Kunst, wie ein anderer Elias, treu zu bewahren und unser Ohr aus dem Taumel
eines gedankenlosen Tongetändels wieder an den reinen Ton nachahmender
Empfindung und gesetzmäßiger Harmonie zu gewöhnen..."