Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809-1847)

Elias
Oratorium nach Worten des Alten Testaments op. 70


Ist nicht des Herrn Wort... - Die (Kirchen)musik zwischen König und Revolution

Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?
Diese Worte des Elias stellt der Komponist ins Zentrum seines Oratoriums. Sie sind das ganze Glaubensbekenntnis des Propheten und bilden zum Zeitpunkt seines Sieges die Grenze seiner Vorstellungen. Aber diese Grenze wird erweitert: Elias erlebt Zweifel und Verzagtheit, spürt also selbst den Hammer des Wortes, bevor er im "feurigen Wagen" in den Himmel fährt. Einige Züge seiner Figur hatte Felix Mendelssohn wohl auch bei sich selbst gesehen, nicht nur den Triumph, auch Zweifel und Verzagtheit. Mit gemischten Gefühlen dürfte der Komponist deshalb die Widmung des Prinzen von Sachsen-Coburg-Gotha aufgenommen haben, die dieser ihm in das Elias-Textbuch schrieb:
"Dem edlen Künstler, der [...] es vermocht hat, den Dienst der wahren Kunst, wie ein anderer Elias, treu zu bewahren und unser Ohr aus dem Taumel eines gedankenlosen Tongetändels wieder an den reinen Ton nachahmender Empfindung und gesetzmäßiger Harmonie zu gewöhnen..."

Tilman Schlömp
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